[ Back ]

Title

The use of low-cost IVF in Cape Town, South Africa

Author Laura Katharina Preissler
Director of thesis Prof. Dr. Bettina Beer
Co-director of thesis
Summary of thesis Die Globalisierung der neuen Reproduktionstechnologien, die mit der Geburt des ersten ‚test tube baby’  Ende der 70er Jahre in Großbritannien ihren Ausgang hatte, nimmt neue Formen an. In Südafrika bietet der öffentliche Gesundheitssektor seit vier Jahren eine stark kostenreduzierte IVF-Behandlung für 6000 südafrikanische Rand, umgerechnet 436 CHF, an. Im Vergleich dazu belaufen sich die Kosten für herkömmliche IVF-Verfahren in südafrikanischen Privatkliniken auf bis zu 2600 CHF und in Schweizer Kliniken auf bis zu 7000 CHF. Der Zugang zu Reproduktionstechnologien gilt als im hohen Masse stratifiziert. Gerade in Entwicklungsländern, wo IVF-Behandlungen das durchschnittliche Jahreseinkommen bei Weitem übersteigen, ist assistierte Reproduktion bei unerfülltem Kinderwunsch der Oberschicht vorbehalten. Die Entwicklung eines kostenreduzierten IVF-Verfahrens, wie es heute in Südafrika angeboten wird, führt dazu, dass assistierte Reproduktion einem grösseren Teil der Bevölkerung zugänglich gemacht werden kann und die Technologie nun auch in Entwicklungsländern ‚markttauglich’ wird. Bisher ist nur wenig über die Nutzer der kostenreduzierten IVF in Südafrika bekannt. Auch die sozialen Konsequenzen, die aus dem Gebrauch der Technologie auf lokalem Level resultieren, sind weitgehend unerforscht. Das ethnologische Teilprojekt befasst sich daher mit der kostenreduzierten IVF als Novität in der südafrikanischen Gesellschaft und stellt zwei allgemeine Forschungsfragen: Erstens, wer macht Gebrauch von dem Angebot der kostenreduzierten IVF und zweitens, welche sozialen Auswirkungen lassen sich feststellen? Verändern sich lokale Prokreationskonzepte sowie Vorstellungen bezüglich der Herstellung von Verwandtschaft durch die Nutzung von IVF, einer Technologie, die auf einem westlichen, biomedizinischen Modell von Fortpflanzung basiert? Geht mit der Globalisierung der IVF auch eine Globalisierung der Interpretation von Unfruchtbarkeit einher, welche in afrikanischen Gesellschaften beispielsweise auf kulturspezifische Körpervorstellungen oder auf das Wirken übernatürlicher Kräfte zurückgeführt wird? Ersetzt IVF spezifische Strategien, derer man sich in afrikanischen Kulturen relativ häufig bedient, um Kinderlosigkeit zu entgehen, wie beispielsweise Pflegschaft, außereheliche Affären oder Scheidung? Der vereinfachte Zugang zu IVF könnte auch das Sozialleben HIV-positiver Menschen verändern. Die Familiengründung für Personen, die mit HIV infiziert sind, könnte erleichtert und die Infektionsrate von Neugeborenen gesenkt werden. Unfruchtbarkeit betrifft Schätzungen zufolge weltweit 8-12% der Paare im fortpflanzungsfähigen Alter, wobei die Unfruchtbarkeitsraten in Entwicklungsländern wesentlich höher ausfallen. Die mit Unfruchtbarkeit und Kinderlosigkeit verbundenen emotionalen und sozialen Konsequenzen, Bewältigungsstrategien sowie biomedizinische und traditionelle Behandlungsmethoden sind mittlerweile Gegenstand diverser sozialwissenschaftlicher Studien. Interpretation und Umgang mit neuen Reproduktionstechnologien - wie beispielsweise IVF - bieten in Zusammenhang mit unerfülltem Kinderwunsch Forschungsfelder für Ethnologen, dies insbesondere im Bereich der Verwandtschaftsethnologie.
Status
Administrative delay for the defence
URL
LinkedIn
Facebook
Twitter
Google+
Xing